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Fuhlsbüttler Jimmy J. Abboud ist neuer
Boxpräsident des Amateurboxverbandes
„Hamburg
ist das
Tor zur Welt!“
Jimmy Jamal Abboud kam als Bürgerkriegsflüchtling
mit fünf Jahren aus Beirut nach Hamburg. Heute
ist der 34-Jährige jüngster Vorsteher eines
Landesverbandes – der Boxpräsident des Hamburger
Amateurboxverbandes und fungiert somit als Vorbild
für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Das erste Mal stand Jimmy Jamal
Abboud mit fünf Jahren in den
Hamburger Zeitungen – kurz
nachdem er als Bürgerkriegsflüchtling
mit seiner Familie aus
Beirut nach Hamburg kam. Das
war im Jahr 1980 und die Schlagzeile
lautete:„Asylantenfamilie
residiert im Atlantik-Hotel“ auf
Staatskosten! „Eigentlich eine
witzige Geschichte“, erinnert sich
der heute 34-Jährige und erzählt:
„Als wir am Hamburger Hauptbahnhof
ankamen, standen meine
Eltern mit uns sechs Kindern ratlos
da. Mein Vater sprach kein
Deutsch, ganz schlecht Englisch,
und mit Französisch kamen wir
nicht weit. Nach kurzer Zeit half
dann die Polizei, die uns, da uns
schriftlich Asyl gewährt wurde,
einen Schein ausstellte, der uns
übergangsweise von Taxi- und
Hotelkosten befreite. Wir haben
einen Taxi-Fahrer erwischt, der
sich ebenfalls nicht auskannte,
und der hat unsere achtköpfige
Familie zum Atlantik-Hotel gefahren.
Und die haben uns dann für
drei Tage aufgenommen.“ Auf
die Frage warum er, nachdem er
soviel Gewalt in seinen Kinderjahren
erlebt hat, trotzdem einen doch
eher gewalttätigen Sport ausübe,
antwortet der gebürtige Libanese:
„Der Boxsport ist kein gewalttätiger
Sport. Gerade Boxer sind
im privaten Leben eher ruhige,
ängstliche Menschen. Ich stamme
aus einer pazifistischen Familie.
Mein Vater ergriff damals, als in
Beirut der Krieg ausbrach, mit uns
die Flucht. Er hat uns mit sehr viel
Liebe großgezogen und immer
gesagt ,Behandele den anderen
Menschen so, wie du behandelt
werden möchtest‘.“ Nun wurde
Jimmy Jamal Abboud kürzlich
zum Präsidenten des Hamburger
Amateurbox-Verbandes
ernannt und ist somit der
jüngste Vorsteher eines Landesverbandes.
Dabei begann seine
Karriere zuerst mit Taekwondo:
„Mit 10 Jahren habe ich damit
angefangen. Joe Alexander, zu der
Zeit der bekannteste Taekwondo-
Wettkämpfer weit über Hamburg
bis nach Los Angeles hinaus, war
ein guter Freund der Familie.
Ebenfalls als Flüchtling aus dem
Libanon hierher gekommen, hat
er es sehr weit gebracht. Er war
damals mein Idol. Da mir aber
etwas an der Sportart fehlte, habe
ich dann mit 13 Jahren ein Probetraining
beim SV Polizei gemacht.
Das Teamgefühl beim Boxen war
einfach einmalig. Wettkämpfe
hat er aber nie bestritten. „Nach
dem Zivildienst war ich dann bei
Universum Boxpromotion und
habe beispielsweise Spitzentrainer
Fritz Sdunek bei Veranstaltungen
begleitet. Aber auch prominente
Persönlichkeiten wie Tina Turner
und Joe Cocker schützte er
als Bodyguard auf ihrer Tournee,
teilweise bis nach Südostasien.
2005 entschied sich der zu dem
Zeitpunkt 31-Jährige weniger zu
reisen, dafür wieder im Amateurboxen
aktiv zu werden und ein
Angebot von BC Sportmann –
dem ältesten deutschen Boxverein
auf St. Pauli – anzunehmen. Später
habe ich Boxing Sun gegründet,
eine Boxpromotion-Agentur, die
Veranstaltungen für den BC Sportmann
organisiert. Es ist und bleibt
mein größtes Ziel, den Boxsport
noch weiter nach vorne zu bringen“,
so der gelernte Elektrotechniker,
der seine Ausbildung bei der
Lufthansa machte. Sein größtes
Vorbild ist Muhammad Ali. Er
sei der erste Sportler gewesen, der
den Sport rausgebracht hat, und
nicht der Sport ihn, so Abboud.
„Die Fairness und die Ehrlichkeit
hat Ali aus dem Boxsport in die
Politik transportiert. Er hat den
Krieg verweigert und sich für die
Schwarzen eingesetzt. Außerdem
hat er das Unmögliche möglich
gemacht und 1974 George Foreman
geschlagen.“ So wie Ali für
Abboud ist Abboud auch für viele
Kinder mit Migrationshintergrund
oder mit Integrationsschwierigkeiten
ein großes Vorbild. „Ich liebe
Hamburg. Hamburg ist eine große
Hafenstadt, die die Menschen
herholt und empfängt. Hamburg
gibt dir die Chance nach oben zu
kommen, schwärmt der Fuhlsbüttler
und ergänzt: „So kann ich
nur jedem sagen: Hamburg öffnet
dir die Tür zur Welt. Hier ist es
nicht wichtig, woher du kommst,
sondern was du aus deinem Leben
machst!“ Marisa Knierim
So wie Muhammad
Ali für Jimmy Jamal Abboud
ist Abboud auch für viele
jugendliche Boxsportler ein
großes Vorbild.
 
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Bülent Baser

 

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